Zwei mal Implantate in der ästhetischen Zone,

Bericht über 2 Tage, zwei Konzepte, mit Robert Nölken und Tidu Mankoo bei Arndt Happe in Münster

ORT: Münster

Text: Matthias Müller

münsterEs waren die letzten schönen Sommertage im September, die wir in einem Hörsaal verbringen sollten!

Implantate in der Front, ein Thema, das schon oft erörtert wurde und doch sollten die beiden Tage neue interessante Einblicke bringen. Der Kurs begann am Freitag mit Robert Nölken aus Lindau am Bodensee: Selbst Praktiker und Wissenschaftler verfügt er über große eigene Erfahrungen mit Implantaten in der ästhetischen Zone. Sein Konzept umfasst sowohl Sofortimplantationen als auch ein zweizeitiges Vorgehen und beruht im Wesentlichen auf optimaler Anpassung an biologische Grenzen und mikroinvasives Vorgehen.

Nach der Erörterung der biologischen Prozesse um Zähne, an Extraktionstellen, und um Implantate und Abutments, folgte die Darstellung von Implantationen mit Astra-OsseoSpeedProfile-Implantaten in zweizeitigem Vorgehen. Die Implantate wurden mit dem abgeschrägten Anteil nach buccal und zu der lingualen Wand passend in den lingualen Knochenrand gesetzt. Sei wurden initial mit einem transgingivalen Gingivaformer versorgt. Die folgenden Abutments wurden im Bereich des Gingivadurchtritts klein gewählt und wurden aus vorgefertigten Titanabutments individuell konfektioniert. Nach primärer Versorgung mit einer provisorischen Krone, folgte die Versorgung mit der definitiven Krone auf dem selben Abutment nach intraoraler Abformung. Es zeigten sich stabile Gingivaverhältnisse an den Implantaten und eine Zunahme von keratinisierten Bereichen innerhalb der gezeigten Beobachtungszeiträume von bis zu zwei Jahren.

Der Grund für die guten Ergebnisse sieht Dr. Nölken im atraumatischen Vorgehen (Mikrochirurgie/Mikroskop) im Bereich der gingivalen Strukturen, in der günstigen Form im Bereich der Implantatschulter und der Abutments.

Im weiteren Verlauf zeigte Dr. Noelken Sofortimplantationsfälle mit diversen Implantaten. Die Implantate wurden an die linguale Wand der Extraktionsalveole gesetzt, im bukkalen Bereich wurde mit autologem Knochen augmentiert und das Implantat sofort mit einem individualisierten Abutment und einer provisorischen Krone versorgt. Zur Stabilisierung wurden die Implantatkronen mit den Nachbarzähnen adhäsiv geschient.

Am Nachmittag konnten die Kursteilnehmer dann selbst an Modellkiefern implantieren. Es standen OP-Sets und Implantate der Firma Astra zur Verfügung und der Referent konnte Bohrprotokoll und Platzierung der Implantate demonstrieren und überwachen.

Am Abend konnten wir dann doch noch den Sommer genießen, auf der Terrasse eines italienischen Restaurants in der Innenstadt von Münster genossen wir einen lauen Sommerabend zusammen mit beiden Referenten in familiärer Atmosphäre.

Am Samstag Morgen setzte Tidu Mankoo dann den Kurs mit der Vorstellung seines Konzeptes für Implantatonen in der ästhetischen Zone fort. Auch er ist Praktiker, selbst niedergelassen in Windsor in der Nähe von London, zusammen mit vier spezialisierten Kollegen in eigener Praxis. Er führt sowohl die chirurgische Behandlung als auch die prothetische Versorgung durch. Das Eingangsstatement seines Vortrages lautet: Form+Funktion+Biologie+Präzision=Ästhetik. In der folgenden detaillierten Ablaufbeschreibung zeigte er die Details seines Vorgehens bei der Versorgung komplexer Fälle. In interdisziplinärer Zusammenarbeit von Chirurg, Kieferorthopäde, Parodontologe, Endodont und Prothetiker wird ein Behandlungsplan erstellt.

Für die Positionierung von Implantaten wurden unter Beachtung der allgemein üblichen Parameter vor allem die Beachtung biologischer Parameter hervorgehoben auf der Grundlage von Untersuchungen am Menschen und abhängig vom Ort der Implantation. Besondere Beachtung gilt dabei dem gingivalen Interface am Abutment. Nach Auswertung einer Literaturstudie aus der Arbeitsgruppe von E.Rompen aus 2006 und einer klinischen Pilot-Studie zur Abutmentform aus der selben Gruppe aus 2007 ergaben sich Hinweise für das klinische Vorgehen: Dr. Mankoo reinigt die Oberflächen von Abutments vor dem Einbringen mechanisch und desinfiziert sie. Es wird angestrebt, Abutments wenig zu wechseln. Jeder Abutmentwechsel führte zum Abriss des verklebten Saumepithels und in der Folge zu Verlust von periimplantärem Knochen. Als Oberflächen bewährten sich Titan und ZiO am besten, Kunststoffe hatten negative Aspekte. Eine konkave zierliche Abutmentform zeigte klinisch bessere Ergebnisse.

Als Schlüsselfaktoren benannte er: korrekte dreidimensionale Positionierung der Implantate, ausreichend und stabiler Knochen um die Implantate, ausreichend dicke Schleimhaut im Bereich des transmucosalen Durchtritts, frühes Platzieren des finalen individuellen Abutments, Form und Material des Abutments und der Krone, Entwicklung und Erhalt entsprechender Weichgewebskonturen.

Eine wesentliche Rolle spielt Form und Handling der Abutments sowie der sehr vorsichtige Umgang mit den periimplantären Geweben in dem Konzept. Nach Mankoo bestimmt nicht der Knochen sondern das periimplantäre Gewebe langzeitstabile Ergebnisse.

Das angewendete klinische Protokoll umfasste somit die sehr frühe Versorgung mit definitiven Abutments, versorgt mit provisorischen Kronen und bei Bedarf im Munde nachpräpariert und konventionell abgeformt für eine spätere definitive Versorgung. Nach detaillierter Darstellung der Methode zeigte der Referent eine beeindruckende Vielzahl von gut dokumentierten Fällen von einfach bis sehr komplex mit Nachuntersuchungszeiträumen von oft mehr an 5 Jahren.

Nach zwei Tagen in familiärer Kurs-Atmosphäre blieben viele detaillierte Ideen zum Umsetzen am Montag und viele Aspekte zum diskutieren mit den Kollegen.