Praxistag bei Petra Gundlach – oder „Drei Männer im (Boden)See…“

Bericht von Maik Georg Pillich, Pinneberg

Um es vorab zu sagen: dieser Praxistag war herausragend in jeder Hinsicht und hat riesigen Spaß gemacht. Petra Gundlach ist für uns – die NEUE GRUPPE – eine große Bereicherung als Zahnärztin und als Freundin, vielen Dank!

Aber der Reihe nach: Alles begann für die beiden Bürgen Clemens Bargholz und Uli Konter auf dem Airport Helmut Schmidt in Hamburg. Kurz vor Abflug stieß ich im Check-in Bereich nach einer schnellen Begrüßung dazu und wir bestiegen die Maschine nach Zürich. Von dort ging es gemütlich mit dem Zug weiter nach Radolfzell, wo wir persönlich von Petra und ihrem Mann Matthias abgeholt und sehr herzlich willkommen geheißen wurden.

In der Altstadt warteten bereits Bettina und Wolf-Diether Seeher im Restaurant „Zwirner’s“  auf uns. Petra und Matthias luden uns alle zum Abendessen ein. Das Essen war hervorragend und wir stießen gemeinsam auf unsere Gastgebenden an.

Anschließend schlenderten wir durch die schöne Altstadt vorbei am Radolfzeller Münster Richtung Obertor direkt auf Petras Praxis zu. Dort verabschiedeten wir Bettina und Wolf-Diether bis zum nächsten Morgen. Clemens, Uli und ich übernachteten großzügiger Weise zu Hause bei den Gundlachs. Nach einem gemütlichen „Tannen-Zäpfle“ gingen alle zu Bett, denn wir wollten früh aufstehen:

Pünktlich um 6:00 Uhr standen Clemens, Uli und ich am Freitag früh in Badehose in der Küche, wir hatten ja noch etwas vor:  Petra und Matthias wohnen direkt auf der Halbinsel Mettnau. So war es für uns drei nur ein kleiner Fußweg bis zum Ufer des Bodensees. Es war einmalig: in der Nacht hatte es noch heftig geregnet, doch das Wasser war klar und sehr mild. Der Mond stand noch am Himmel, und  in der Ferne sah man leichten Nebel über dem Wasser aufsteigen. Und plötzlich sprangen drei Männer aus Hamburg und Pinneberg in den „Untersee“  – ein unvergesslicher Augenblick!

Erfrischt und voller Tatendrang schlenderten wir in Bademänteln zurück zum Haus, wo  Matthias bereits mit frischem Kaffee auf uns wartete. Petra war schon in der Praxis und hatte ihr berühmtes  Müsli (danke für das Rezept) für die heutigen Gäste schon vorbereitet.

Nach einem kurzen Spaziergang entlang des Bodensees trafen Clemens, Uli und ich in der Zahnarztpraxis allDENTes Dr. Petra Gundlach & Dr. Stephanie Möhrle ein.

Das Motto der Praxis lautet: „Wir schenken Ihnen ein Lächeln“ und so wurden wir auf das Allerherzlichste vom gesamten Team empfangen und begrüßten zusätzlich  Thomas Bischoff, Christian Rupp, Ehepaar Seeher und Brigitte Simon.

Die Praxis ist wunderschön und hochmodern: Die Räume sind hell und großzügig, digital und mit dem neuesten Equipment ausgestattet: nach einem Umzug Anfang 2017 wurde alles komplett neu eingerichtet, so dass es an nichts fehlt. Hier wurde mit viele Liebe zum Detail eine sehr freundliche und angenehme Praxis-Atmosphäre geschaffen. Die einzelnen Zimmer sind nach italienischen Städten benannt.

Kollegin Stephanie Möhrle hielt Petra am Praxistag für eventuelle Notfälle den Rücken frei, denn auf uns wartete bis 15:00 Uhr ein straffes Programm:

Wir sollten zehn Patientensituationen sehen, von denen fünf so umfangreich und sorgfältig dokumentiert waren, dass Sie uns von Petra mittels PPP (Power Point Präsentation)  vorgestellt wurden:

Die erste Patientin hatte vor einer Woche eine BGT-OP an den Zähnen 11 und 21 zur plastischen Deckung unter maximaler Schonung der Papillen durch Tunnelierung bei bestehender Miller-Klasse 1. Präoperativ zeigte Zahn 21 eine Rezession von 3,5 mm in der Höhe und 4,5 mm in der Breite. Bei Verband- und Nahtentfernung waren die Wunden reizlos bei vollständiger Wurzel-Deckung.  Jeder einzelne operative Schritt wurde detailliert dokumentiert und fotografiert.

Bei der zweiten  Patientin hatte Petra vor vier Wochen eine GTR-OP durchgeführt. Sie stellte sich nun zur UPT3 und weiterer Aufnahme in PA-Konzepte bei der Dentalhygienikerin vor. Die Patientin erwies sich als hoch compliant und sehr motiviert. Das parodontale Gewebe zeigte sich entzündungsfrei und „knackig“.

Patientin drei kam erstmalig vor zwölf Monaten mit starken Schmerzen an Zahn 36 und folgender Diagnose zu Petra: insuffiziente Krone und insuffiziente Wurzelfüllung bei Furkation Grad 3 und vertikalem Knocheneinbruch distal. Der Zahn war nicht erhaltungswürdig und wurde extrahiert. Zahn 35 war tadellos und Zahn 37 hatte lediglich eine  undichte Kompositfüllung mesial-okklusal. Eine Brücke kam daher nicht in Frage. Es wurde ein Einzelzahn-Implantat optimal positioniert gesetzt und bei der Freilegung mit einem individuellen Abutment versorgt. Parallel versorgte Petra 37 unter Kofferdam mittels minimal-invasiver Säure-Ätz-Technik mit Komposit  neu. Kontur, Farbe und Funktion waren perfekt.  Am Vormittag erfolgte der digitale Scan für eine e.max Krone als Suprakonstruktion, welche anschließend mit dem Cerec-System direkt hergestellt wurde. Aus Zeitgründen seitens der Patientin wurde die für den Nachmittag geplante Eingliederung der Implantat-Krone verschoben (Fall Nummer sieben).

Patient Nummer vier erschien heute bei der Dentalhygienikerin zur PZR. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich in der mittleren Phase der Totalsanierung. Im Unterkiefer hatte Petra Komposit-Rekonstruktionen durchgeführt und die Seitenzähne mit sehr schönen Einzelkronen rekonstruiert. Die Weiterbehandlung des Oberkiefers sollte baldmöglichst erfolgen.

Patient Nummer fünf  (59 Jahre) war eine außerordentliche Herausforderung. Der Erstbefund von 2016 ergab eine schwere chronische Parodontitis mit Sondierungstiefen von bis zu 10 mm und erhöhten Lockerungsgraden, Bisshöhenverlust mit Überlastung  der Frontzähne und  circa siebzehn Jahre alte insuffiziente Einzelkronen im Seitenzahnbereich, insuffiziente Wurzelfüllungen mit Radixanker dicht an der Furkation bei 36 und 46. Allgemeinanamnestische Angaben waren eine Hypertonie, Stents, Diabetes, Frühverrentung und geringe finanzielle Möglichkeiten. Als Wunsch gab der Patient an, keine „wackelnden“ Zähne mehr haben zu wollen und möglichst einen maximalen Zahnerhalt. Im Januar 2017 erfolgte eine parodontale Vorbehandlung unter Abschirmung mit Metronidazol. Ein kieferorthopädisches Konsil hatte die Extraktion der Oberkieferfrontzähne empfohlen, aber Petra entschied sich gemeinsam mit dem Patienten für einen Erhaltungsversuch. Da die Mundhygieneparameter während der anfänglichen UPTs allesamt unzureichend waren (API bei 86 %), erfolgte in den nachfolgenden Monaten zunächst eine Änderung seines Mundhygiene Gesundheitsverhaltens. Der API sank sehr deutlich, so das im Oktober 2018 schließlich die Oberkieferfront mittels Komposit-Rekonstruktionen umgeformt und anschließend geschient werden konnte. Die dringend notwendige Bisshebung konnte bisher noch nicht durchgeführt werden. Als der API bei sage und schreibe 17 % lag, entschied sich Petra, bei Patient Nummer fünf regenerativ zu arbeiten. So wurden an ihrem Praxistag an den Zähnen 43 und 46 eine GTR-OP mittels Minimally Invasive Surgical Technique (MIST) durchgeführt. Ein großartiger Erfolg.

Patient Nummer sechs erforderte von Petra eine synoptische Vorgehensweise mit viel Geduld und großem Weitblick, denn diese Therapie sollte mehrere Jahre dauern. Bereits 2014 hatte sich der Patient im Alter von 56 Jahren in der Praxis vorgestellt. Da er panische Angst vor Zahnärzten hatte, wurde im Februar 2015 zunächst eine Erstberatung durchgeführt. Der damalige Befund lautete unter anderem: im ersten Sextanten fehlten bis auf Zahn 15 alle Zähne, der zweite und dritte Quadrant, sowie Zahn 22 standen im Kreuzbiss. Zudem hatte Zahn 22 eine profunde teils subgingivale Karies. Zahn 27 war elongiert und ohne Antagonisten. Zahn 36 zeigte eine 30 Jahre alte radiologisch unauffällige Wurzelkanalbehandlung mit Stiftversorgung, die mit einer insuffizienten kronenartigen Amalgamfüllung versorgt worden war. Die Zähne 46 und 47 waren nicht erhaltungswürdig und wurden im Dezember 2014 extrahiert. Der Anspruch des Patienten war: keine Schmerzen mehr, eine verkürzte Zahnreihe bis zu den Sechsern mit einfachem aber festem Zahnersatz und langfristig weniger Zahnarztbesuche. Als Therapie folgte zunächst die heroische Entfernung der Amalgamfüllung und der Karies an Zahn 36, bei der die Stifte allerdings belassen wurden. Zur Vorbereitung auf die Kieferorthopädie wurde anschließend ein Langzeitprovisorium aufgesetzt. Petra klärte über das Restrisiko auf. Zahn 22 wurde endodontisch behandelt und mit einer aufwendigen Komposit-Rekonstruktion stabilisiert. Es erfolgte eine Parodontitis-Therapie bei moderaten Sondierungstiefen und weitere Kariestherapie. Anschließend wurde der Kreuzbiss kieferorthopädisch in eine Regelverzahnung überstellt. In Regio 14 und 16 sowie 46 wurden Implantate gesetzt und mit okklusal verschraubten Einzelkronen versorgt. Der Fall wurde genial gelöst: vor uns saß am Praxistag ein Tiefen entspannter überglücklicher und sehr zufriedener Patient. Was will man mehr?!

Die Patientin Nummer acht – ein CMD-Fall – erschien ebenfalls erstmalig 2014 in Petras Praxis. Die erste Modellanalyse ergab ein stark abradiertes Gebiss bei fehlender Front-Eckzahnführung und Gruppenführung über den disto-bukkalen Höcker an Zahn 17. Als Habitus fanden sich Mikrobewegungen wie Knirschen und Pressen. Weitere Befunde waren eine Parodontitis im Bereich der Molaren (6 mm Sondierungstiefe) und eine Plaque induzierte Gingivitis in der Front und eine insuffiziente Wurzelfüllung an Zahn 16. Von Beruf ist die Patientin Physiotherapeutin, Osteopathin und Heilpraktiken. Ihr Behandlungswunsch lautete: wieder längere Zähne, moderate Veränderungen, damit die Physiologie des Körpers mitkommt. Am Praxistag erschien die Patientin zum UPT-Recall bei der Dentalhygienikerin. Anhand der PPP konnten wir die umfangreiche Dentalsanierung nachträglich verfolgen: November 2016 mit erster Modellanalyse, 3D-Scan der Gipsmodelle, Planefinder, Übertragung in einen virtuellen Artikulator und Schienen-Therapie als Vorbehandlung, parallele Parodontitis-Therapie. Erst im November 2018 fand ein erster Testlauf statt, indem der Biss im Seitenzahngebiet durch Langzeitprovisorien angehoben wurde. Diese wurden drei Monate getragen. Die Patientin war beschwerdefrei, so dass nun die Seitenzähne einzeln mit dem definitiven Zahnersatz hochwertig versorgt werden konnten. Im Mai 2019 fertigte Petra direkte Komposit „Veneers“ unter Kofferdam an. Form und Funktion sind nun wieder im Einklang und genügen höchsten Ansprüchen. Die Patientin war zu Recht absolut begeistert.

Last but not least erhielten Patientin Nummer neun einen mesialen Eckenaufbau an Zahn 21 nach dem Konzept von unserem Freund Ulf Krüger-Janson sowie Patientin Nummer zehn eine Komposit-Füllung an Zahn 24 unter Kofferdam.

15:00 Uhr! Alles lief perfekt, es war vollbracht!

Bei strahlend blauem Himmel ging es dann noch bis zur Verabschiedung mit allen zum Strandcafé auf die Halbinsel Mettnau. Dieser Praxistag bleibt unvergessen! Die NEUEN GRUPPE sagt herzlichen Glückwunsch.