JAHRESTAGUNG 2017

Freitag, 17.11.17

NG-JT-Stuttgart-Festabend004Nach den Vorkongressen am Donnerstag eröffnete die Präsidentin der Neuen Gruppe, Frau Dr. Brigitte Simon, die Jahrestagung 2017.

Dieses Jahr stand der Kongress unter dem Motto Prothetik 360°, zu dem hochkarätige namenhafte Referenten eingeladen wurden.

Prof. Dr. Urs Brägger eröffnete den Kongress mit seinem Vortrag „Kosten und Nutzen von Investitionen in prothetische Versorgungen“.

Zu Beginn seines Vortrags wurden Begriffe aus der medizinischen Ökonomie erklärt und grafisch veranschaulicht. Ein wichtiger Aspekt war hierbei die Relation zwischen Grenzkosten und Grenznutzen. So ist die Nutzen-Kosten-Relation Nahrung zu zerkleinern bei einer Prothese auf zwei Implantaten wesentlich besser als bei einer Totalprothese und gleichzeitig nur geringfügig schlechter als bei einer Prothese auf vier Implantaten. Prof. Brägger konnte so abwägen, inwieweit sich Kosten im Sinne der Versorgung und Nutzen in Bezug auf den Patienten die Waage halten.

NG-JT-Stuttgart-Festabend059Er plädiert daher dafür, dass Zahnärzte einen ökonomischen Einsatz von Ressourcen anstreben sollten, wobei für den Patienten der gefühlte Nutzen den Kosten entsprechen sollte. Dazu lieferte Prof. Brägger einige spannende Studien mit überraschenden Ergebnissen. Er zeigte bspw., dass die Kosten einer Einzelimplantatversorgung im Vergleich zu einer Brücke nicht signifikant höher sind. Eine andere Studie verwies darauf, dass sich die Kosten für einen lebenslangen Recall durchaus lohnen. Dabei sind die Kosten der Pflege von Implantaten fünf Mal höher als die von Zähnen.

NG-JT-Stuttgart-Festabend030Am Ende seines Vortrages verwies er noch auf die Wichtigkeit des Risikomanagements, um Komplikationen zu vermeiden. Er rät prothetische Risiken auf verschiedenen Ebenen einzuschätzen. Geldeinsparungen bei zahntechnischen Leistungen gehen mit Qualitätseinbußen einher, sodass günstigere Implantatsysteme höhere Verlustraten aufweisen als teurere. Hier spielen die Auswahl der Art der Versorgung, des Verfahrens, der gewählten Materialien etc. somit eine Rolle. Inzwischen ist es zudem möglich langlebigen Zahnersatz auch digital herzustellen und den Patienten eine kostengünstigere und qualitativ hochwertigere Lösung anzubieten.

Der zweite Referent am Freitag war das von Prof. Dr. Matthias Kern, der das Thema „Minimierter Aufwand – maximaler Nutzen: Einflügelige Adhäsivbrücken und –attachments und das mittige Einzelimplantat im zahnlosen Unterkiefer“ präsentierte.

NG-JT-Stuttgart-Festabend068Der Kieler Professor zeigte gleich zu Beginn seines Vortrages interessante Patientengespräche, in welchen er seine Patienten interviewte, die nach ca. 30 Jahren immer noch mit einer Adhäsivbrücke versorgt waren. Die entstandenen Aufnahmen, teils völlig zufällig getroffener Patienten, zeigten eindrucksvoll, wie glücklich und zufrieden die Patienten mit ihrem Zahnersatz noch immer sind. Sie gaben an, sie würden keine Implantation bevorzugen und die gleiche Therapiebehandlung der Adhäsivbrücke erneut wählen.

NG-JT-Stuttgart-Festabend031Seine Studie zeigt, dass einflügelige Adhäsivbrücken signifikant bessere Überlebensraten aufweisen als Zweiflügelige. Besonders im jugendlichen und jungen Erwachsenenalter spielt das Therapiekonzept der minimalinvasiven Adhäsivbrücken eine wachsende Rolle. Gefahr besteht gerade bei jungen Patienten, durch das vertikale Knochenwachstum. Implantate bleiben in ihrer ursprünglichen Position und führen so nach einigen Jahren zu schlechten ästhetischen Ergebnissen. Um es in den Worten des renommierten Professors zu sagen „Implantieren können wir immer noch. Ziel ist ein minimaler Aufwand mit einem maximalen Nutzen“. Die metall-keramische einflügelige Adhäsivbrücke stellt zudem auch in der Regelversorgung eine hervorragende Alternative zum Implantat dar.

Gegen Mitte des Vortrags zeigte Prof. Kern eine weitere praxisnahe Therapielösung. Nach Teleskopverlust stellt die Versorgung des Patienten mittels Adhäsivgeschiebe eine wertvolle Behandlungsmöglichkeit dar. Die Integration in den vorhandenen Zahnersatz ist somit erfolgreich, ohne dass weitere Zähne stark beschliffen werden müssen. Nach Prof. Kern stellen auch ganze Adhäsivgeschiebearbeiten eine günstige und einfache Lösung dar, um den Patienten maximal komfortabel zu versorgen.

NG-JT-Stuttgart-Festabend011Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Vortrages zum Thema „minimierter Aufwand und maximaler Nutzen“ war das mittige Einzelimplantat im zahnlosen Unterkiefer.

Durch die immer älter werdende Bevölkerung nimmt der Anteil der zahnlosen und schlecht versorgten Patienten mit eingeschränkten finanziellen Mitteln deutlich zu. Gerade deswegen bietet das mittige Einzelimplantat im Unterkiefer einen empfehlenswerten und kostengünstigen Kompromiss zwischen der Totalprothese und zwei oder vier Implantaten. Um Prof. Dr. Kern zu zitieren „Eines ist besser als Keines“. Durch die unkomplizierte, risikoarme mittige Implantation kann somit auf eine Augmentation verzichtet werden. Das bietet dem Patienten einen angenehmen Kompromiss.

Im Anschluss referierte Prof. Dr. Bjarni E. Pjetursson seinen Vortrag „zahn- oder implantatgestützte Rekonstruktionen? Die sieben Schritte der Behandlungsplanung“.

Am Anfang seines Vortrages erläuterte Prof. Pjetursson, dass der Wert natürliche Zähne behalten zu wollen durch die große Vorliebe von Implantaten weiter sinkt. Damit bietet er einen Anstoß zum Umdenken.

Im Mittelpunkt seiner Präsentation stand ein Fallbeispiel, bei dem zwischen einer Brückenversorgung und einer implantatgetragenen Konstruktion gewählt werden sollte.

NG-JT-Stuttgart-Festabend064Die Planung und Therapieumsetzung wurde präzise und praxisnah diskutiert und erklärt, wie Risikofaktoren ausgeschlossen werden können. Mit seinem trockenen isländischen Humor brachte er das gesamte Auditorium des Öfteren zum Schmunzeln. Er betonte inständig, dass die Behandlungsplanung von unschätzbarem Wert ist. Durch eine zahnbezogene Prognose mit gesicherten Bewertungskriterien kann genau selektiert werden, welche Zähne erhaltungswürdig sind und welche extrahiert werden sollten. Prof. Pjetursson rät deshalb dazu, jeden Zahn in ein Bewertungssystem einzuteilen. Mit steigender Anzahl an Risikofaktoren sinkt die positive Prognose des Zahns drastisch. Wichtigste Kriterien sind die Zahnhartsubstanz, vorherige Konstruktionsfehler, das Parodont und das Endodont. Laut Gorni& Gagliani (2003) hat bspw. ein nicht bis zur Wurzelspitze gefüllter Zahn eine 100%-ige Erfolgschance durch eine Revision und schult die Augen des Betrachters erneut in Richtung Zahnerhalt.

Im Bereich der prothetischen Versorgung veranschaulichte der isländische Professor den Zuhörern der Neuen Gruppe, dass eine implantatgetragene Anhängerbrücke der zahngetragenen Variante eindeutig zu bevorzugen ist. Hierbei kann mit weniger Komplikationen gerechnet werden. Laut Prof. Pjetursson sind ebenfalls Brücken auf endodontisch vorbehandelten Zähnen frakturanfälliger, insbesondere jene mit Anhängern. Sie sollten vermieden werden. Dagegen zeigen zehnjährige Studien-Resultate, dass die konventionellen Brücken mit einer Überlebensrate von 89% deutlich bessere Ergebnisse aufweisen, als die zahn-implantatgetragenen Brücken, die eine Überlebensrate von 77,8% zeigen.Um für den Patienten die optimale Therapie zu wählen, müssen also viele Faktoren beachtet werden. Prof. Pjetursson motiviert daher genauer zu evaluieren und individuell zu planen, welcher Zahnersatz in der heutigen Zeit zu wählen ist.

Die vierte Referentin des Tages war PD Dr. Bogna Stawaczyk, M.Sc., die eine Präsentation zum Thema „vom Plastik zum Hochleistungskunststoff. PEAK in der Zahnmedizin“ vorbereitet hatte.

Dr. Stawarczyk führte uns in ihrem forschungsbezogenen Vortrag vor Augen, wie sie mit ihrem wissenschaftlichen Team zusammen den Werkstoff Peak erforscht hat und zu welchen wissenschaftlich fundierten Ergebnissen sie gekommen ist. Peak ist ein Werkstoff, der seit 2006 in der Zahnmedizin erforscht und ständig weiterentwickelt wird. Der Werkstoff kann sowohl gefräst, gepresst, als auch in 3D gedruckt werden. Um es in den Worten von Dr. Stawarczyk zu beschreiben: „PEAK ist nicht gleich PEAK“. Denn der Werkstoff PEAK gliedert sich in PEEK und PEKK auf, die sich wiederum in einer unterschiedlichen Anzahl an Keton- und Ether-Gruppen unterscheiden. Bei gleicher Krafteinwirkung bricht PEKK (1 Ether- und 2 Keton- Gruppen) im Vergleich zu PEEK (2 Ether- und 1 Keton- Gruppe) nicht im Biegeversuch. Bisher wird PEAK als Werkstoff vermehrt als Langzeitprovisorium verwendet. Aber gerade die zahnmedizinische Prothetik bietet weitgehendes Potenzial für die Zukunft.

NG-JT-Stuttgart-Festabend026PEAK weist eine geringe Löslichkeit und Wasseraufnahme auf und hat hohe mechanische Eigenschaften sowie eine hohe Abrasionsbeständigkeit. Jedoch können die Transluzenz, die geringe Oberflächenspannung und die Probleme beim Verbund mit anderen Kunststoffen als Nachteil des Werkstoffes angesehen werden. Durch die Oberflächenmodifikation mittels Schwefelsäure kann die Verbundfestigkeit jedoch wesentlich erhöht werden. Dr. Stawarczyk konnte dabei nachweisen, dass PMMA besser an PEAK haftet als andere übliche Kunststoffe der Zahnmedizin. So ist die richtige Vorbehandlung mittels Korundstrahlen in Kombination mit PMMA-haltigen Adhäsivsystemen ein erfolgversprechender Bestandteil. Eine Frage, die noch nicht geklärt werden konnte, ist, wieso PEAK bei der Kombination mit Karottensaft und Fisherman’s Friend sich sehr stark verfärbt. Doch dieser Frage wird Dr. Stawarczyk sicherlich zukünftig noch auf den Grund gehen.

Die Referentin rät dem Auditorium gegen Ende des Vortrags vorsichtig mit dem Befestigen oder Verblenden von Peak zu sein und die Patienten dementsprechend aufzuklären. Ihrer Meinung nach ist PEAK jedoch ein vielversprechender Hochleistungskunststoff, der in der Zukunft noch weiter erforscht werden muss. Weitere Entwicklungsprojekte sind in Planung und dabei sind ihrer Meinung nach besonders in-vivo Studien notwendig.

Professor Dr. Sebastian Hahnel referierte einen sehr strukturierten Vortrag zu dem Thema „Altersgerechte prothetische Zahnheilkunde“.

NG-JT-Stuttgart-Festabend003Bei jüngeren Menschen besteht heutzutage weniger Bedarf an prothetischen Restaurationen, wobei Senioren zunehmend Zahnersatz benötigen, argumentiert Prof. Hahnel. Hinsichtlich der Auswahl des Zahnersatzes, spielen je nach Komplexität kognitive Störungen, Demenz und Allgemeinerkrankungen eine entscheidende Rolle.

Prof. Hahnel erachtet es dabei als Notwendigkeit an die drei Aspekte Therapiefähigkeit, Mundhygienefähigkeit und Eigenverantwortlichkeit der älteren Patienten nach gewissen Belastbarkeitsstufen (BS1-BS4) einzuteilen, um diese mit einem spezifischen individuellen Zahnersatz zu versorgen.

Anhand zahlreicher klinischer Fälle zeigte Prof. Hahnel auf, dass eine Fehleinschätzung des Patienten auch zum Misserfolg führen kann und deswegen eine individuelle intensive Einstufung des Patienten erfolgen sollte.

Bei implantatverankerten herausnehmbaren Suprakonstruktionen sind die Druckknopfsysteme kostengünstiger als Stege oder Doppelkronen. Lokatoren weisen zu Beginn der Behandlung einen hervorragenden Halt auf, dieser lässt jedoch mit zunehmender Verwendung nach. Dies erläutert der Spezialist für Seniorenzahnmedizin. Die Kugelkopfsysteme müssen öfter nachaktiviert werden, aber bieten einen langfristigen guten Halt und eine damit verknüpfte hohe Patientenzufriedenheit.

Die altersgerechte prothetische Zahnheilkunde nimmt einen zunehmenden Schwerpunkt in der zahnärztlichen Prothetik ein, wobei die Eigenständigkeit des Patienten, eine einfache Pflege des Zahnersatzes, der möglichst wartungsfrei und rückbaubar sein sollte, sicher gestellt werden muss.

Samstag, 18.11.17

Dr. Tidu Mankoo eröffnete den Kongresstag mit seinem Vortrag zum Thema ,,implant and interdisciplinary therapy, from single teeth to complex aesthetic & restorative dilemmas: the surgical & prosthetic keys to success“.

Um ein ästhetisch stabiles Langzeitergebnis von Implantaten in der ästhetischen Zone zu erreichen, sind zeitgemäße chirurgische und prothetische Konzepte erforderlich, erklärt Dr. Makoo. Behandlungsergebnisse sind dabei abhängig vom klinischen Management und dem Verständnis und der Anwendung von biologischen Faktoren.

Seine Kernaussage war, dass das ästhetische Ergebnis und die damit einhergehende Langzeitstabilität des Weichgewebes, ein optimales Management des Knochens, des Weichgewebes und der Prothetik als Vorrausetzung hat. Das interdisziplinäre Vorgehen ist hierbei der Schlüssel zum Erfolg. Eine Rolle spielt ebenfalls die Biokompatibilität der angewandten Materialien. Entscheidend ist die Oberflächenbeschaffenheit, die keines Falls kontaminiert werden darf, um ein optimales Einheilen eines Implantats zu gewährleisten.

Dr. Mankoo präsentierte hoch komplexe Frontzahnfälle mit überragenden ästhetischen Langzeitergebnissen, die er mit einer Leichtigkeit den Zuhörern darlegte.

Seiner Meinung nach liegen die entscheidenden Faktoren für eine Implantation in der ästhetischen Zone, in der korrekten Implantatposition, im Schaffen eines stabilen Knochenvolumens und im Ausformen der befestigten Gingiva um das Implantat. Um eine optimale Entwicklung und Unterstützung des Zahnfleischverlaufes zu schaffen, muss ein frühes Befestigen des definitiven Abutments erfolgen und eine daran angepasste Prothetik. Das Abutment selbst, die Form, das Material und die Oberfläche sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Prof. Ingrid Grunert aus Innsbruck referierte über das Thema ,,Totalprothetik – von konventionell bis digital‘‘.

Als Spezialistin der konventionellen Totalprothetik stellte sie zunächst ihr Konzept anhand verschiedener Patientenfälle vor, bevor Sie dann auf die positive Entwicklung in der digitalen Fertigung von Totalprothesen einging. Durch die Einführung von CAD/CAM Technologien zur Herstellung von herausnehmbarem Zahnersatz erfuhr die Erstellung von schleimhautgetragenen Totalprothesen ganz neue Möglichkeiten. Prof. Grunert teste dabei die vier neuen Systeme (Wieland Digital Dentures, AvaDent Digital Dentures, Baltic Denture System und Whole You Nexteeth). Diese Systeme sind eine Symbiose aus der herkömmlichen Herstellungsmethode und der digitalen Technologie. Der vollständige digitale Workflow ist derzeit noch nicht möglich. Sie führte den Kongressteilnehmern die Vor- und Nachteile der konventionellen und der digitalen Herstellung von Totalprothesen vor Augen. Vor allem die deutlich kürzere Behandlungszeit, die bessere Passung der Prothesenbasen (höhere Saugkraft, weniger Druckstellen) und die günstigeren Materialeigenschaften sprechen für die digitale Totalprothese. Ebenfalls kann die Reproduzierbarkeit der Prothese auf Knopfdruck als weiterer Vorteil angesehen werden. Als Nachteil sind die bisher noch sehr fehleranfälligen einzelnen Teilschritte zu nennen. Laut Prof. Grubert muss der Behandler über viel prothetisches Wissen und Können verfügen, um ein gutes Endergebnis zu erzielen und Behandlungszeit einsparen zu können. Ebenfalls ist momentan noch keine individuelle Zahnaufstellung oder Gestaltung des Zahnfleisches möglich. Der konventionelle Weg bis zur Wachsaufstellung sollte ihrer Meinung nach beibehalten werden. Danach empfiehlt sie die Basis fräsen zu lassen, um von den Vorteilen der digitalen Herstellung profitieren zu können.

Den letzten Vortrag des Kongresses hielt Prof. Markus Blatz zum Thema ,,Ästhetische Prothetik für Zähne und Implantate. Materialien und ihre Verarbeitung in Labor und Praxis“.

Er stellte wissenschaftlich fundiert die fundamentale Veränderung in den Möglichkeiten der zahn- und implantatgetragenen Prothetik vor und veranschaulichte dies mit entsprechenden Bildern. Zu Beginn seines Vortrags wurde die Definition der evidenzbasierten Zahnmedizin erläutert. Um eine optimale Behandlung für den Patienten zu erreichen, spielt sowohl die klinische Expertise des Behandlers, die wissenschaftliche Evidenz der Therapie als auch die Wünsche des Patienten eine entscheidende Rolle.

Schwerpunkte seiner Präsentation waren die modernen Keramiken, adhäsive Befestigungstechniken und digitale Fertigungstechnologien. Dabei ging er im Detail auf die Eigenschaften der verschiedenen Keramiken ein – von der transluzenten Feldspatkeramik bis hin zum widerstandsfähigen Zirkon und deren adhäsiver Befestigung. Auf die adhäsive Befestigung von Zirkonoxid wurde genau eingegangen, da hier oftmals Fehler entstehen können. Wichtig ist das vorherige Abstrahlen der Keramik mit Aluminiumoxid, um die Klebefläche für den Primer vorzubereiten und einen optimalen Verbund zwischen Keramik und Zahn zu schaffen. Bei verblendeten Zirkonkronen müssen die Eigenschaften der Verblendmaterialien und das Sinterprotokoll beachtet werden, um einen optimalen Verbund zu erhalten. Studien beweisen, dass es keinen Unterschied hinsichtlich der Überlebensrate gibt, ob eine Seitenzahnkrone aus verblendeter Metallkeramik oder verblendetem Zirkon ist. Monolithische Restaurationen zeigen ebenfalls sehr gute Ergebnisse, bei geringen Herstellungskosten. Daher gewinnen sie auch immer mehr an Beliebtheit. Ebenso weisen CAD-/CAM-gefräste Zirkon- und Titangerüste eine höhere Präzision als gegossene Gerüste auf. Die 3D-Drucktechnologie bietet ebenfalls viele neue Möglichkeiten, jedoch stellt deren Genauigkeit weiterhin ein Problem dar.

Gegen Ende des Vortrags wurde auf die Abutmentmaterialien eingegangen. Sowohl Titan- als auch Zirkon-Abutments zeigen sehr gute Resultate. Zirkoniumdioxid hat jedoch zusätzliche Vorteile. Es zeichnet sich durch die geringere Bakterienadhäsion, geringeren destruktiven Wirkungen auf das Weichgewebsremodelling und durch eine bessere Weichgewebsästhetik aus. Hier betonte er insbesondere die vorteilhaften Eigenschaften von Zirkoniumdioxid bei Kontakt mit dem Weichgewebe. Eine zu glatt polierte Oberfläche sollte hierbei unbedingt vermieden werden, um eine Anlagerung des Gewebes zu gewährleisten.

Mit viel Hingabe widmete sich Prof. Blatz gegen Ende seines Vortrags den Fragen der Kongressteilnehmer und beendete die eindrucksvolle Jahrestagung 2017.