Das Erosionsgebiss – Prävention, Ätiologie und Rehabilitation mit direkter Adhäsivtechnik

Referent: Prof. Dr. Thomas Attin
Bericht von Alexander Gerhart

Zum Workshop pünktlich um 9:00h s.t. begrüßt uns Präsident der Neuen Gruppe Dr. Raphael Borchard in den Konferenzräumen des geschichtsträchtigen Hotel Adlon in Berlin. Prof. Dr. Thomas Attin aus Zürich arbeitet im Workshop „Das Erosionsgebiss – Prävention, Ätiologie und Rehabilitation mit direkter Adhäsivtechnik“ alles Wissenswerte dazu auf und zeigt uns seine Herangehensweise der Therapie.

Im ersten Teil von drei Teilen, ging es um die vielfältige Ätiologie und Prävention. Auf die Gesamtbevölkerung gesehen sind schwere Erosionsschäden zwar aktuell noch selten (3% bei 20-Jährigen, 17% bei 70-jährigen), jedoch ist Erosion bei Kindern von 31% (2004) auf 45% (2014) gestiegen obwohl der Konsum von Erfrischungsgetränken bei circa 120 Liter pro Kopf konstant blieb. Geschockt hat die Nachricht, dass Weintester eine Risikogruppe bilden, die zu 73% laut einer schwedischen Studie an Erosionsschäden leiden.
Einer der vielen Faktoren für Säureangriffe sind der pH der Säure. Der für die Zahnhartsubstanz kritische pH-Wert ist 5,5 (Schmelz) und 6,0 bis 6,7 (Dentin). Da Säuren sich aber nicht nur im pH unterscheiden, sondern in verschiedenen Viskositäten vorliegen, verschieden protoniert sind, aber auch das Trinkverhalten eine Rolle spielt, wird jedem klar, dass die Einflüsse (wie so häufig) multifaktoriell sind.

Nach einer kurzen Pause widmet der Referent sich der Therapie von Seitenzähnen. Da sich durch die Erosion häufig die Bisshöhe reduziert hat, sollte diese wiederhergestellt werden. Die Bisserhöhung führt nicht zu Veränderungen im Kiefergelenk und auch die Muskeln adaptieren sich innerhalb weniger Tage bzw. Wochen an die neue Situation. Liegt eine CMD vor oder wird mehr als Ruheschwebe bzw. 5mm angehoben empfiehlt sich die Schienenvorbehandlung. Entsprechend einem Wax-Up, welches die Höhe definiert, die nötig ist um die Frontzähne in eine ansprechende Ästhetik und Funktion zu überführen, werden Schienen angefertigt.
Diese von Prof. Attin eingesetzten weich-harten Doppelschienen sorgen für eine verhältnismäßig einfache Umsetzung des Wax-Up nach intraoral. Wichtig zu beachten ist, dass der posteriorste Zahn sowie der Eckzahn unaufgewachst in der Schiene gefasst sind, damit diese gut repositioniert werden kann. Weiterhin sollte die Schiene genau bis zur Rekonstruktion und auf keinen Fall über den Äquator reichen. Unter Kofferdam und mit Teflon-Band isolierten Nachbarzähne werden mehrere Zähne, aber nie nebeneinanderliegende rekonstruiert. Das erwärmte Komposit und Flow sorgen für einfachere Adaptation. Die Ausarbeitung erfolgt mit dünnen Feilen oder Skalpelle. Da die innere Schicht der Doppelschiene ein transparentes Silikon ist, verbindet sich das eingebrachte Komposit nicht damit.
Wenn die Seitenzähne aufgebaut wurden herrscht Platz die erodierten Frontzähne zu restaurieren. Die palatinalen Wände der Frontzähne werden in einem Schritt mithilfe eines Silikonschlüssel appliziert. Danach kümmert man sich um die approximalen Schalen mit einer vertikal inserierten Matrize. Die vestibuläre Fläche wird entsprechend den anatomischen Regeln und Besonderheiten frei geschichtet. Als einfache Merkregel für die Praxis empfiehlt der Hochschullehrer die sog. 60 LADA – Regel.
60% – die sichtbare Fläche des 2ers beträgt 60% der sichtbaren Fläche des 1ers usw. Lachlinie – die Inzisalkanten der FZ bilden eine Parallele mit der Kontur der Unterlippe Achsenneigung – die AN der Zähne nach mesial nimmt vom OK-1er zum OK-3er zu Dreiecke – die Größe der interinzisalen Dreiecke nimmt nach distal zum OK-3er zu Anatomie – Kantenlinien, Winkelmerkmal und Flächenmerkmal fasst dieser Begriff zusammen
Zusammenfassend kann man sagen, dass Prof. Attin die Erosion umfassend und wissenschaftlich aufgearbeitet hat, dabei mit seiner Technik eine valide Alternative für die Rekonstruktion von erosionsgeschädigten Gebissen zum Portfolio der Therapieoptionen hinzufügt und für den Behandler neue Impulse für das Erkennen von Erosionsschäden mitgegeben wurden.